German Open in Magdeburg sportlich und organisatorisch ein riesen Erfolg
Bilanz-PK: Rund 12.500 Zuschauer feiern deutsches Duo
Die German Open in Magdeburg sind nicht nur sportliche ein gutes Pflaster. Die Veranstalter freuten sich über rund 12.500 Zuschauer an den Finaltagen und viel Aufmerksamkeit in den Sozialen Medien. Für die ITTF seien die German Open auch weiterhin das "Flagschiff" der World Tour.
Willi Baur 12.11.2017

Nein, Alkohol war sicher nicht im Spiel. Da ist Jörg Roßkopf zu sehr als solide und seriös bekannt. Eher bedächtig ohnehin. Aber vielleicht hat ihm der Erfolgsrausch die Zunge gelockert. Ganz am Ende der obligatorischen Abschluss-Pressekonferenz am Finaltag der „German open“ verriet der Herren-Bundestrainer nämlich noch das Erfolgsgeheimnis zumindest seiner beiden Vorzeige-Athleten. Mehr noch: Er gab sogar zu, dass die jetzt zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen erfolgreiche Strategie gar nicht hausgemacht ist. Abgeschaut vielmehr von den „alten Schweden“. Nicht von den ganz alten indes, aber jedenfalls ein Plagiat.

Roßkopf lobt das ganze Team
„Sie machen es wie früher die Schweden“, sagte „Rossi“ und meinte damit die Generation Waldner, Persson und Co.. Die hätten schon seinerzeit praktiziert, was heute einer namhaften deutschen Politikerin als Erfolgsstrategie zugeschrieben wird: Den Weg vom Ende her denken. Was auf die Gedanken in der Box bezogen in den Worten Roßkopfs heißt: „Sie tun in der ersten Runde nur das unbedingt Nötige.“ Der Umkehrschluss liegt auf der Hand: Am Ende, wenn es womöglich nach sieben Sätzen in die heiße Phase geht, haben sie noch Reserven für den entscheidenden Punch.

Was bekanntlich aber auch mal schiefgehen kann. Bei Roßkopfs Schützlingen derzeit eher weniger. Weil nämlich, das war die Intention seines historischen Rückgriffs, Boll und Ovtcharov mit ihren jüngsten Erfolgen ein enormes Maß an Selbstvertrauen und Sicherheit gewonnen haben. Das gibt Ruhe in kritischen Situationen und schützt vor Panik, ein Fremdwort schon früher für die alten Schweden.

Insofern war der historische Schlenker des Bundestrainers kein Tribut an den Vortag, kein Vorfasnachtsscherz also. Der Ernst kam nicht zu kurz und Emotionen wollte auch der 48-jährige Hesse nicht verbergen. „Wieder zwei von uns im Finale, das ist schon etwas Besonderes“, damit aber ließ er es dann auch bewenden. Übermut ist seine Sache nicht und auch in der Stunde dieses Riesenerfolgs vergaß der Trainer seine weniger erfolgreichen Akteure nicht.

Zu Recht attestierte er insbesondere Bastian Steger, Ruwen Filus und Patrick Franziska: „Sie haben allesamt und teilweise nur knapp gegen absolute Top-Leute verloren.“ Wobei ihm das üppige Spieler-Angebot auch Kopfzerbrechen bereiten könnte: „Wir haben viele gute Leute. Damit wird es für mich immer schwieriger zu selektieren.“ Jedenfalls dürfte ihm die Qual der Wahl nicht erspart bleiben: „Zwei bis drei müssen bei der Nominierung für die Mannschafts-WM im Frühjahr runterfallen.“

Weniger berauschend dagegen die Lage bei den Damen, auch in Magdeburg. „Nina Mittelham hat immerhin die 16. der Weltrangliste geschlagen. Das lässt hoffen“, war DTTB-Sportdirektor Richard Prause um eine halbwegs versöhnliche Bilanz bemüht, mochte freilich die Realität nicht verleugnen: „Die Asiatinnen sind sehr weit vorausgeeilt“, stellte der frühere Nationalspieler fest und warnte davor, nur die Chinesinnen im Fokus zu behalten. „Japan und Singapur sind nicht minder zu beachten.“

Mit einem schnellen rhetorischen Schwenk zu den Männern vermied Prause schließlich den Fall in eine Herbstdepression. „Was unsere beiden Top-Leute hier zelebriert haben, war Tischtennis auf höchstem Niveau“, schwärmte der Sportchef, zeigte überdies seine Begeisterung für Details: „Dima gelingt das auf eine ganz andere Art als Timo“, schilderte Prause, „das macht Tischtennis aus“.

12.500 Zuschauer, 45 Millionen Zugriffe in den internationalen sozialen Medien
Wie überhaupt Zufriedenheit die Pressekonferenz dominierte. Turnierdirektor Karl Jindrak gab sich rundum positiv gestimmt. „Die German Open sind immer wieder unser Flaggschiff“, erklärte der World Tour Manager, die Atmosphäre hier sei ein Traum, das Feedback der Spieler absolut positiv. Ob Hotel, Transporte, Spielbedingungen oder die 12.500 Zuschauer: „Die Qualität ist in allen Bereichen auf höchstem Niveau“, attestierte Jindrak. Wofür Jindrak zufolge DTTB und TMG dicke Komplimente zustünden. Dazu käme eine bemerkenswerte Resonanz in den sozialen Netzwerken, rund 45 Millionen Zugriffe verzeichnete die ITTF schon vor den Finalspielen auf ihren Kanälen.

Verständlich insofern die Freude bei den vor Ort Verantwortlichen. „Ich bekomme mein Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht“, strahlte DTTB-Präsident Michael Geiger. Sportlich wie wirtschaftlich seien die Erwartungen deutlich übertroffen worden. Womöglich einem ganz speziellen Effekt geschuldet: „Statt Übersättigung nach der WM hat sich die Devise breitgemacht: Das wollen wir noch einmal erleben.“ So sei die WM-Begeisterung von Düsseldorf an die Elbe transportiert worden.

Was dem gastgebenden Verbandspräsidenten Konrad Richter sichtbar nahe ging. Nach den Herren-Halbfinals habe er sich die Freudentränen aus den Augen reiben müssen, gestand der umsichtige Sachen-Anhalt-Chef, gab sich indes auch durchaus selbstbewusst: „Wir wissen, dass Magdeburg ein gutes Pflaster ist.“ Für die chinesischen Männer sportlich allerdings weniger. Tröstlich insofern für die Sportler aus dem Reich der Mitte: „Wir freuen uns auf ein Wiedersehen hier“, so Richter, „es muss ja nicht gleich im nächsten Jahr sein.

Willi Baur

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