German Open: Dimitrij Ovtcharov gewinnt das Endspiel gegen Timo Boll mit 4:3
"So ein bisschen das Welttischtennis dominieren"
„Das ist alles surreal.“ Dimitrij Ovtcharov konnte es unmittelbar nach dem Finale bei den mit 210.000 Dollar dotierten German Open in Magdeburg noch gar nicht in Worte fassen, was der 29-Jährige in den vergangenen drei Tagen erlebt hatte.
Marco Steinbrenner 12.11.2017

Magdeburg. „Das ist alles surreal.“ Dimitrij Ovtcharov konnte es unmittelbar nach dem Finale bei den mit 210.000 Dollar dotierten German Open in Magdeburg noch gar nicht in Worte fassen, was der 29-Jährige in den vergangenen drei Tagen erlebt hatte. „Ich habe in diesem Jahr nur zwei Turniere nicht gewonnen – die Qatar Open und die WM“, strahlte Ovtcharov nach seinem 4:3-Endspielerfolg gegen Timo Boll. Für Ovtcharov war in diesem Jahr der insgesamt vierte Titel auf der World Tour. Im Jahr 2014 hatte die Nummer drei der Weltrangliste ebenfalls in der GETEC-Arena triumphiert. „In Magdeburg spiele ich besonders gut. Am besten findet jedes Turnier hier statt.“

Dimitrij Ovtcharov: „Ich kann es noch gar nicht glauben“

Die 4.500 Zuschauer sahen ein bis zuletzt spannendes Endspiel der beiden Deutschen. Mit 9:11, 11:5, 11:9, 6:11, 11:7, 7:11 sowie 11:6 setzte sich Ovtcharov am Ende durch und wiederholte damit seinen Finalsieg von vor drei Wochen beim World Cup in Lüttich. „Es ist schon der Wahnsinn“, sagte Dimitrij Ovtcharov und spielte auf seine Siege vor dem Finale an. Yan An (China), Wong Chun Ting (Hongkong) und heute morgen der an Position eins gesetzte Fan Zhendong (China) räumte der German Open-Sieger aus dem Weg. „Wenn ich bei den Grand Finals im Dezember bis in das Halbfinale komme, kann ich Januar erstmals die Weltrangliste anführen. Dies wäre natürlich das absolute Highlight meiner Karriere.“ Zunächst aber war Dimitrij Ovtcharov damit beschäftigt, das Turnier in Magdeburg zu verarbeiten. „So richtig kann ich das noch alles gar nicht fassen. Aufgrund der Erfolge zuletzt ist mein Selbstvertrauen natürlich sehr sehr hoch.“ Nun hofft der vierfache Olympia-Medaillengewinner, „mein Niveau so lange wie möglich hochhalten zu können“. Schon nach dem 4:3-Erfolg im Halbfinale gegen Fan Zhendong, als Ovtcharov im letzten Satz zwei Matchbälle abwehrte und mit 15:13 die Oberhand behielt, „konnte ich nicht glauben, was ich aktuell für einen Lauf habe. In der entscheidenden Phase habe ich alles riskiert. Es hat sich gelohnt.“

Timo Boll: „Es ist schön, wenn zwei Deutsche das Welt-Tischtennis dominieren“

Bei Timo Boll hielt sich die Enttäuschung nach der Endspiel-Niederlage in Grenzen. „Dimitrij war im passiven Spiel einen Tick besser.“ Der 36-Jährige kramte, als es nicht nach seinen Vorstellungen lief, plötzlich Rückhandaufschläge aus seinem Trickkiste heraus und hatte damit stellenweise Erfolg. „Ich habe ein paar Veränderungen probiert, die zwischenzeitlich auch Punkte brachten.“ Nach der Begegnung stellte der vierfache German Open-Gewinner, zuletzt holte sich Boll im Jahr 2009 den Titel in Bremen, fest: „Wir schweben alle auf einer Welle. Es ist schön, wenn zwei Deutsche das Welt-Tischtennis dominieren.“ Den Einzug in das Endspiel hatte sich Timo Boll durch einen mühelosen 4:0-Erfolg gegen Lee Sangsu (Korea) gesichert. „Irgendwie klappte in diesem Spiel alles. Ich habe Lee mit meiner Taktik komplett durcheinander gebracht und viel variiert.“ Mit Erfolg, wenngleich es zum ganz großen Triumph anschließend nicht reichte. „Ich habe nun schon zum dritten Mal in diesem Jahr ein Finale gegen Dima verloren. Vielleicht brauche ich einen anderen Gegner im Endspiel“, hatte Boll seinen trockenen Humor nicht verloren.

Chinesisches Finale bei den Damen – Chen Meng setzt sich gegen Zhu Yuling durch

Sieben Sätze lang duellierten sich die beiden Chinesinnen Zhu Yuling und Chen Meng im Einzel-Finale. Trotz eines zwischenzeitlichen 1:3-Satzrückstandes setzte sich am Ende die an Position zwei gesetzte Chen gegen Topfavoritin Zhu durch. Den Titel im Damen-Doppel holten sich Hina Hayata/Miu Hirano (Japan) durch einen souveränen 3:0-Erfolg gegen Chen Szu-Yu/Cheng I-Ching (Taiwan). Bei den Herren triumphierten Jeong Youngsik/Lee Sangsu (Korea) und holten beim 3:2-Erfolg einen 0:2-Rückstand gegen die Japaner Tomokazu Harimoto/Yuto Kizukuri auf.

Die Spiele am Sonntag

Herren-Einzel
Finale

Dimitrij Ovtcharov - Timo Boll 4:3 (-9,5,9,-6,7,-7,6)

Halbfinale
Dimitrij Ovtcharov GER - Fan Zhendong CHN 4:3 (11,7,-7,-3,9,-8,13)
Timo Boll GER - Lee Sangsu KOR 4:0 (4,9,4,9)

Damen-Einzel
Finale

Zhu Yuling CHN - Chen Meng CHN 3:4 (9,8,-11,9,-11,-9,-4)

Halbfinale
Zhu Yuling CHN - Kasumi Ishikawa JPN 4:1 (4,10,-12,5,8)
Feng Yalan CHN - Chen Meng CHN 2:4 (10,-6,-4,6,-13,-5)

Herren-Doppel
Finale
Jeoung Youngsik/Lee Sangsu KOR - Tomokazu Harimoto/Yuto Kizukuri JPN 3:2 (-8,-3,5,14,6)

Damen-Doppel
Finale
Chen Szu-Yu/Cheng I-Ching TPE - Hina Hayata/Miu Hirano JPN 0:3 (-7,-8,-9)

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